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 „Wert der eigenen Worte – die Geschichte meiner Dinge“

Kreativ-biografische Schreibwoche "Meine SchreibZeit" vom 16.-21.6.2024 im Gutshaus Stellshagen (Ostsee)

 

Welche Dinge tragen mich durchs Leben? Welche Gegenstände erzählen meine Geschichte? Welche sind wichtig und wie lassen sich über Objekte Erinnerungen wecken?

Inspiriert von dem im Selbstverlag erschienen Büchlein ‚Dinge mit ihren Geschichten vererben‘ der Hamburger Künstlerin und Kulturschaffenden Antje Mittelberg sind in dieser Schreibwoche berührende, zutiefst persönliche und auch überraschende Texte von hoher sprachlicher und emotionaler Qualität entstanden. Wie geht das?

 

Antje Mittelberg hat ihr Leben als Vermächtnis von Geschichten über Objekte und Gegenstände erzählt. In der Schreibwoche sind wir diesen Weg gegangen anhand von Fotografien – und haben ihn doch auch variiert durch Perspektivwechsel:

 

Die Erzählung über ein rotes Schlauchboot und rote Rollschuhe berichtet von einem beglückenden Erlebnisses einer frühen Kindheit. Das Bild von einem Fahrrad löst einen Text aus, der schmerzhaft familiäres Unrecht aufarbeitet und über die Beziehung zu diesem Gegenstand einen biografischen Bogen bis in die Gegenwart spannt. Ein Flyer aus den 80er Jahren entblättert wiederum eine historisch-persönliche Reise zurück in die Zeit von Häuserbesetzungen, alternativem Leben, verrückten Abenteuern und künstlerischer Freiheit.

 

Im Perspektivwechsel erzählen dann die Gegenstände selbst ihre Geschichte in der Ich-Form. „Ich hänge an Dir!“ sagt die Halskette und erzählt die Liebesgeschichte zwischen ihrer Besitzerin und dem Käufer. Eine Todesanzeige berichtet von ihrem Dasein in einem Fotoalbum und fächert dabei sehr persönliche Einblicke in einen frühen Verlust auf. Der alte Schreibtisch nimmt uns mit in sein bewegtes Leben – und erzählt eine Familiengeschichte über drei Generationen.

 

Im Dialog schließlich spiegeln zwei Figürchen die ambivalente Liebes-Beziehung der sie Erschaffenden, Hängematte und Wanderschuhe die zwei Seiten eines aktiven Lebens in der Veränderung und ein Esstisch lädt Enkelkinder zum versöhnlichen, fröhlichen Zusammensein ein. Im Liebesbrief an einen Schaukelstuhl werden in den detaillierten Beschreibungen von Material und Beschaffenheit Szenen einer Biografie lebendig.

 

All diese Geschichten finden schließlich mit ihren Fotos Platz in einem selbstgestalteten Buch mit einer einfachen, aber schönen japanischen Stabbindung.

 

Ein Kapitel Leben. Zum Nachlesen und Anschauen.

Schreiben, das mutig ist. Schreiben, das Begegnung mit sich selbst ermöglicht.

Kreativität, die nährt und stärkt.

 

Ich bin unglaublich dankbar über diese besondere Woche: für das Berührtsein durch die Texte, die Offenheit und Wertschätzung der Gruppe in der Resonanz und die Kraft, die ich selbst tanke hierdurch. Danke an alle Teilnehmerinnen für diese wunderschöne Reise an einem besonderen Ort!

 



 

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