top of page
Suche

Walk & Write - Frühlingserwachen im Ohlsdorfer Friedhof

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Der Friedhof Ohlsdorf ist der größte Parkfriedhof der Welt. Ein Ort der letzten Ruhe, der stillen Einkehr - aber gleichzeitig auch ein Ort zum Spazieren, Verweilen und die Natur zu genießen. Besonders im Frühling. Mein erster Walk & Write in diesem Jahr führte uns Ende April zu den Perlenseen. Ein Tag, wie gemacht für das Aufbrechen von Frühlingsgefühlen. Wärme. Licht. Erblühende Natur. Und "Gedicht-Schnipsel", die als Impuls für das eigene Schreiben dienten. Das Ergebnis ist wie der Frühling selbst: herzöffnend. Danke an alle Teilnehmerinnen für die erfüllende, gemeinsame Schreibzeit.



Sonntags auf dem Friedhof

…in Ewigkeit, Amen.

So erklang es mantra-artig jeden Sonntag in der Kirche meiner Kindheit.

Heute umweht mich dieses Wort

an diesem Ort der ewigen Ruhe

Und ich lasse es in mir klingen, wie den Gesang der Vögel.

Es ist ein tröstlicher Gesang.

Er nimmt mir die Angst vor der Endlichkeit und läßt mich ruhig werden.

Meine Wurzeln wachsen heute bis in den Himmel und ich staune.

Unaussprechliche Worte wie:

Tod… Schmerz… Ende… Verlust...

finden ihren Weg ins Freie und beginnen zu fliegen -

wie die Vögel in den Süden.

Und sie werden zurückkehren - wie auch die Vögel zurückkehren.

Von ihren langen Reisen. Immer wieder.

…in Ewigkeit, Amen.


(Autorin: Birgit L.)



Der hohe Himmel blau und weit

Ist meiner Sehnsucht Wiege

Darin ich still gesinnt

Und selig warm

Ganz wie auf weichen Wolken liege

Von fernen Ländern träume

Und mich des Lebens freue


(Autorin/vervollst.: Birgit K.)



Von innen nach außen ent-wickelt sich, was schon war. Vom Himmel kommt ein Engel und atmet flüsterndes Laub,

das im Herbst gefallen, in die Erde sank und sich in kalten, dunklen Stunden wandelte.

Unsichtbar.

Der Engel kam, vom Frühling gewärmt, mit hellen Sonnenstrahlen herab und küsste die Wurzeln.

Das Leichte kommt zurück, mit all großer Energie.

Zurück aus der Erde nach oben.

Sichtbar, riechbar, fühlbar.

Ist es jedes Jahr ein Wunder.

Der Anfang mit Zartheit und immer weiter zunehmende Fülle. Das Blatt kaum fühlbar, ent-wickelt es sich aus dem grauen Zweig zu hellgrün, lindgrün. Entfaltet sich, will hinaus an die Luft.

Endlich.

Will sich zeigen in all seiner Vielfalt und Größe.

Und mehr und mehr. Kaum zu stoppen.

Gesellen sich rosa, rot, lila, magenta, gelb, hellgelb, zitronengelb, weiß hinzu.

Wärme.

Bald wächst der Himmel unter dem Gras.


(Autorin: Sabine W.)



Immer wieder

Immer wieder dringt es

Aus dunklen Tagen nach draußen

Immer wieder treibt es

In keimenden Knospen

Immer wieder lockt es

Hin zu einem strahlenden Himmel

Wir erwachen.

Und die Welt möchte sich vertausendfachen.

Im Staunen.

Im Atmen.

Im Schauen.

Du Frühling - möchte ich sein.

So gehe ich über weiches Gras, das jungfräulich aus sattem Boden sprießt.

So schaue ich ein vielfarbiges Grün, als Boten der wiedererwachten Natur.

So atmet mein Herz erleichtert auf, gefüllt von ansteigender Wonne.

So tankt mein Wintergeist das helle Licht, bis in jede Zelle meines Körpers.

So lebe ich auf im Zwitschern des Frühlings, der vielstimmig gepriesen.

Ich erwache.

Du Frühling - ziehst bei mir ein.


(Autorin: Beate M.)





Kommentare


bottom of page